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Prüfungsänsgte - Prokrastination

Hinter der Prüfungsangst lauern oft noch andere Probleme, wie die Prokrastination

Die Worte „Prüfung, Präsentation, Referat, Klausur, Hausarbeit“ lösen bei den meisten Studierenden emotionale Reaktionen aus. Prüfungszeiten sind sensible Phasen im Studium. Sie lösen bei vielen Studierenden Leistungsdruck und Versagensängste aus, da Prüfungen auch immer mit äußeren und inneren Bewertungsmaßstäben korrespondieren.
 
Prüfungsangst, Redeangst

Unter gravierender Prüfungsangst leidet ein Drittel der Studierenden. In vielen Fällen wird die Prüfungsangst durch eine problematische Prüfungsvorbereitung erschwert. Die psychische Situation während der Prüfungsvorbereitung kann von Arbeitsstörungen und -blockaden, Vermeidungsstrategien, depressiven Verstimmungen beeinträchtigt werden, so dass die Kognition sowie die Gesamtverfassung massiv beeinflusst wird. Die bevorstehende Prüfung wird in der Prüfungsvorbereitung häufig dramatisiert und durch vorangegangene Prüfungserfahrungen überzeichnet.
 
So wird immer wieder von Studierenden berichtet, „ich schaffe das nicht“, „ich lass mich immer wieder ablenken und dann kann ich mich nicht mehr aufraffen“, oder „ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll und dann mache ich oft ganz unwichtige Dinge“. Häufig stellt sich heraus, dass „Nebensächliches“ gelernt wird und die Schwerpunktthemen nicht im Fokus stehen. Oft führen Versagens- und Entscheidungsängste dazu, dass viel zu spät mit dem Lernen und der Prüfungsvorbereitung angefangen wird.
 
Schätzungsweise leidet weit über die Hälfte der Studierenden unter Aufschiebeverhalten. Wenn dieses Verhalten so stark ausgeprägt ist, dass hieraus eine Beeinträchtigung des Studiums mit negativen Konsequenzen resultiert, liegt eine Prokrastination vor. Prokrastination (lat. „pro“ = für und „cras“ = morgen) bedeutet auf morgen verschieben. Es ist eine Arbeitsstörung. Es ist keine Faulheit, noch Willensschwäche. Oft planen Betroffene sogar mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitung ein, sie möchten zumeist alles sehr genau und gründlich lernen, um ihre Prüfung sehr gut zu bestehen. Dabei haben Betroffene – nicht zuletzt aufgrund ihres Perfektionismus – Probleme, adäquate Prioritäten zu setzen und leiden unter Fehleinschätzungen bezüglich des Zeitmanagements wie auch der Lernanforderungen.

Die Prokrastination ist geprägt durch folgende Kriterien:
  • Probleme, Prioritäten zu setzen
  • Mangelnde Zeitplanung
  • erhöhte Ablenkbarkeit
  • Schwierigkeiten in der Abgrenzung gegen alternative Handlungstendenzen
  • Versagensangst
  • Entscheidungsangst
  • Angst vor Kritik
  • Zweifel an der eigenen Handlungskompetenz
  • Zweifel an der eigenen Problemlösungsfähigkeit
  • mangelnde Identifikation mit der Aufgabe
  • hohe Ansprüche und Bestreben nach Perfektion
  • unklare Zielsetzung
  • sehr lange Prüfungsvorbereitungen
  • zu späte Belohnung
  • Demotivation nach Prüfungsversagen
In nicht wenigen Fällen ist das chronische Aufschiebeverhalten als Folge eines Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms (ADS) zu sehen, wobei die Selbstregulation von Impulsen, Gedanken und Handlungen beeinträchtigt ist. In anderen Fällen kann diese Arbeitsstörung Folge einer chronischen Erschöpfung sein, wobei die Stimmungslage depressiv getönt sein kann. Ebenfalls kann das Aufschiebeverhalten Ausdruck einer Angsterkrankung oder einer Depression sein.

Das Störungsbild der Prokrastination

Die Prokrastination wird besonders während der Prüfungsvorbereitung als quälende Belastung erlebt. Betroffene versuchen durch mehr Selbstdisziplin Verzögerungstaktiken zu stoppen. Doch gerade Zeitdruck und hohe Anforderungen senken die Frustrationstoleranz, wenn der Lernstoff sich als schwieriger und zeitaufwendiger erweist als angenommen … und Versagensängste übermächtig werden. Nicht selten entwickelt sich ein Teufelskreis, in dem für das Morgen immer wieder ein neuer Vorsatz gefasst wird, der sich genauso schnell verflüchtigt wie der Vorsatz von gestern. Durch das Aufschieben wird zunächst Erleichterung erlebt, die negativen Gefühle lassen kurzfristig nach, doch kehren sie nach kurzer Zeit zurück. Wurde die Arbeit begonnen, ist jede Ablenkung ein Risiko, um die Arbeit wieder zu unterbrechen und in Ersatzhandlungen auszuweichen.

So berichtete eine Klientin: „Ich erledige dann die unwichtigsten Arbeiten, ordne dann unwichtige Dinge und denke, wenn mein Schreibtisch erst ordentlich ist, kann ich mich besser konzentrieren; dann flüchte ich ins Internet, und nach Stunden bin ich dann so müde, dass ich nicht mehr lernen kann und ich beschließe morgen richtig zu beginnen. Das Internet – so berichtete sie – war die schlimmste Ablenkungsquelle, da man ja immer neues erfährt und die anstehenden Aufgaben für kurze Zeit ganz weit weg geschoben werden. Es war in dieser Zeit förmlich eine Internetsucht. Die Anforderungen während der Prüfungsvorbereitung erlebte ich so mit jedem Tag extremer – und extremer wurde auch mein Ausweichverhalten – und meine Prüfungsangst wurde unermesslich.“
 
Wie bei dieser Klientin ist bei vielen Betroffenen das Internet ein unbewusster Ablenkungs- und Lösungsversuch, denn online finden sie Gehör bei anderen in gleicher Situation, Trost und Bestätigung. Allerdings mit der Folge, dass die Prioritäten noch weiter verschoben werden und die Angst weiter zunimmt.
 
Psychodynamisch betrachtet kann die Aufschiebetaktik für den Betroffenen kurzfristig eine Lösung sein mit einem scheinbaren Vorteil i.S. einer Entlastung, denn nicht Geleistetes kann weder vom Betroffenen noch von anderen bewertet werden.

Folgen der Prokrastination

Die Folgen des Aufschiebeverhaltens hängen von der Intensität und Dauer ab. Während einige förmlich in der letzten Minute zur Hochform auflaufen und ihre Prüfung schaffen, haben andere resigniert und befassen sich nur noch mit dem Gedanken der Abmeldung und der Beschaffung eines ärztlichen Attestes.
 
Dauert diese Arbeitsstörung schon lange an – häufig beginnt sie bereits im 1. Semester – kann sie im Laufe des Studiums zu einer gravierenden Dauerbelastung werden, denn Betroffene haben keine Ruhe- und Erholungszeiten mehr. Sie können nicht entspannen, keine Ferien machen, weil sie immer noch so viel nachholen müssen.
 
Bei vielen resultiert eine psycho-physische Dauerbelastung, die sich auf der psychischen Ebene durch Angst, bes. Versagensangst, depressiv getönter Stimmungslage und zwangartigen Verhalten manifestieren kann. Zudem leiden viele unter Spannungskopfschmerzen, Migräne Schlafstörungen und entwickeln Somatisierungsstörungen mit Reizmagen, Reizdarmsyndrom (RDS), Blutdruckerhöhung.
 
Aus dieser Arbeitsstörung resultieren häufig weitreichende Folgen für das psychosoziale Leben und Erleben. Minderwertigkeitsgefühle führen zu Belastungen in der Familie und im Freundeskreis. Durch das Abbrechen von Sozialkontakten droht Vereinsamung.

Prokrastination
Hypnotherapie kann helfen

In der Hypnotherapie können Studierende die unbewussten Hintergründe erhellen, die zur Prokrastination geführt haben. In der Ärztlichen Hypnosebehandlung ist dieses ein wichtiger Schritt, um den Teufelskreis dieser Arbeitsstörung aufzubrechen. Betroffene erleben diesen Prozess mit großer Evidenz. Vielen fällt es danach leichter, mit sich selbst verbindlicher zu sein. Sie beginnen an sich zu arbeiten, um Prüfungstermine einzuhalten und ihre Prüfungsvorbereitungen adäquat auf diesen Termin abzustimmen. Sie erleben in diesem Prozess Wichtiges und Unwichtiges zu unterscheiden, was für viele Studierende eine ganz neue Erfahrung ist. Für viele ist es eine ganz neue Erfahrung zu lernen, Dinge abzuschließen und mit neuen zu beginnen … und dass es ganz in Ordnung ist, „einfach eine Prüfung zu schaffen“, anstatt durch perfektionistische Ansprüche Dinge immer wieder „zu prolongieren“.

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