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Sozialphobie

Ausweglosigkeit im eingesperrten Leben:

Die Sozialphobie bedeutet für viele betroffene Menschen großes seelisches Leid und Erleiden purer Hilflosigkeit. Der gesamte Lebensradius wird eingeschränkt, was häufig zu gravierenden Einschränkungen in der persönlichen Lebens- und Arbeitswelt führt.
 
Die Sozialphobie – auch als Sozialangst bezeichnet – ist die häufigste Angstform. Die soziale Phobie wird definiert als eine dauerhafte, übertriebene Angst vor sozialen Leistungssituationen, wo das Verhalten der Beobachtung und Bewertung durch andere unterliegt. Es ist eine Angst vor Menschen und Menschengruppen und die damit verbundenen Sozialsituationen. Diese exzessiv erlebte Angst bezieht sich zumeist auf alltägliche Handlungen in Gegenwart anderer, wie sprechen, essen, schreiben.
 
Angesprochen wird hier nicht die Angst in einer anonymen Menschenmenge, noch eine erhöhte Anspannung oder Nervosität, wie sie zum Beispiel in einem Bewerbungsgespräch, in besonders schwierigen Situationen oder beim ersten Date ganz normal ist.

Gemeint sind hier die alltäglichen Situationen, wo es betroffenen Menschen schwer fällt, in einer Gruppe von Kollegen ungezwungen zu sprechen, entspannt zu essen oder Kaffee zu trinken. Es sind die Situationen, wo immer wieder die Angst lauert, dass die Hand beim Heben der Kaffeetasse zittern könnte. Betroffene sind erleichtert, wenn die Pausen zu Ende sind. Telefonate kosten oft große Überwindung oder werden ganz vermieden, manche beginnen zu stottern oder die Stimme versagt. Auch Tätigkeiten, so z.B. das Schreiben in Gegenwart anderer ist oft mit großer Angst besetzt. Ebenfalls sind eingeübte feinmotorische Handlungen häufig in Anwesenheit von Drittpersonen für Betroffene nur äußerst schwer oder gar nicht zu absolvieren, weil die Angst vor dem Zittern wieder übermächtig wird. Bereits die Einladung zu einem Betriebsfest kann als bedrohlich erlebt werden. Nach wochenlangen zermürbenden Befürchtungen wird es irgendwie überstanden oder doch noch abgesagt. Die empfundene Erleichterung dauert oft nur kurz, denn zumeist warten schon weitere Termine und Verpflichtungen, wie Meetings, Präsentationen, Betriebsausflüge, ein Familienfest oder zwanglose Einladungen von Freunden. Aber alles ist alles andere als zwanglos, weil betroffene Menschen oft schon zwanghaft befürchten, dass sie den Erwartungen der anderen wieder nicht entsprechen, dass man ihnen ihre Angst wieder ansehen könnte, dass sie wieder ins Zittern oder wieder ins Stottern geraten könnten.

Die Sozialphobie ist Dauerstress

Die Sozialangst wird psychisch als irrationales Geschehen erlebt. Obwohl Betroffene wissen, dass ihre Ängste übertrieben und unbegründet sind, können sie ihre phobischen Reaktionen nicht kontrollieren. Erschwert wird die Situation dadurch, dass diese Ängste außerdem zahlreiche körperliche Symptome, wie Herzklopfen, Schweißausbrüche, Erröten, Schwindel, Zittrigkeit, Brustenge, Luftnot, Übelkeit, Harn- oder Stuhldrang verursachen. Angst ist immer auch ein körperliches Geschehen. Zudem werden phobische Reaktionen dramatisiert durch kognitive Symptome, wie Konzentrationsschwierigkeiten, Blackout und Sprechhemmungen, gefolgt von Gedanken, dass man unfähig, inkompetent, peinlich und seltsam sei, einfach nicht dazu gehöre. Die Symptomatik kann sich bis zur Panikattacke ausweiten.
 
Häufen sich diese phobischen Reaktionen können sie das gesamte Leben dominieren. Da die Sozialangst oft schon in der Kindheit, zumeist in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter beginnt, wird durch diese Problematik die persönliche und berufliche Entwicklung existentiell beeinträchtigt. Auf diesem Hintergrund ist es nur verständlich, dass häufig nicht begabungsgerechte Abschüsse erreicht werden und Menschen in der Schule, im Studium oder im Beruf trotz hoher Intelligenz und großer Anstrengungen unter ihren Möglichkeiten bleiben; manchmal sogar Beförderungen abgelehnt werden oder eine glänzende Berufsperspektive aufgegeben wird. Persönliche Kontakte und private Aktivitäten werden eingeschränkt.
 
Im Gegensatz zu Menschen mit Agoraphobie (Platzangst) versuchen Menschen mit Sozialphobien zumeist sehr lange ihr Problem selbst zu lösen. Nicht wenige versuchen durch Beruhigungsmittel und/oder Alkohol – praktisch als Selbstmedikation – die Angst zu dämpfen, um so gewisse Situationen kontrollieren zu können. Diese häufig entgleisende Selbstmedikation führt nicht selten schon nach wenigen Wochen in eine Abhängigkeit und erschwert die Gesamtsituation, so dass zur Sozialangst noch Begleiterkrankungen, wie Abhängigkeit und depressive Störungen auftreten.

Drei typische Verhaltenmuster: Selbstaufmerksamkeit, Vermeidungsverhalten und Erwartungsangst

Die Angst in Sozialsituationen zu versagen, führt dazu, dass Betroffene sich ständig mit anderen vergleichen und ihr eigenes Verhalten ständig beobachten, um keine Fehler zu machen und um perfekt zu sein. Das Verhalten Betroffener wird zunehmend angespannter und kontrollierter. Die zwischenmenschlichen Beziehungen verlieren an Selbstverständlichkeit. Sozialsituationen werden angestrengter und belastend, was die Angst vor diesen Situationen steigert. Im angestrengten Bemühen, Fehler zu vermeiden wird die Selbstaufmerksamkeit noch weiter gesteigert, wodurch sich die Angstspirale noch schneller dreht und sich Furcht und Versagensangst noch weiter verstärken.
 
Da Betroffene durch die erhöhte Selbstaufmerksamkeit den Blick primär auf die negativen Aspekte des eigenen Verhaltens richten, entwickeln sie zunehmend ein negatives Selbstbild. Auf diesem Hintergrund werden soziale Situationen immer häufiger als so unkontrollierbar und angstbesetzt wahrgenommen, dass die gesamte Lebensführung durch Vermeidungsverhalten beeinträchtigt wird. Schon beim Gedanken an bestimmte Sozialsituationen laufen – so ein Betroffener – wie in einem Film bedrohliche Bilder des Versagens, der Schwäche, der Blamagen, der Versäumnisse szenisch ab. Die soziale Außenwelt ist dabei ausgeblendet – die Innenwelt wird immer fragiler und das Leben beginnt durch sozialen Rückzug und Einsamkeit zu erstarren.

Soziale Leistungssituationen auf der privaten wie auch auf der beruflichen Ebene werden zunehmend vermieden, auch wenn daraus Nachteile resultieren. So werden einerseits zunehmend Strategien entwickelt, um Angstsituationen auszuweichen und andererseits wird durch angstverstärkende negative Denkmuster die Erwartungsangst an bevorstehende Sozialsituationen gesteigert. Die Sozialphobie wird so weiter verfestigt.
 
Mit dem sozialen Rückzug und den zunehmenden Isolierungstendenzen verstärkt sich der Leidensdruck. Zunächst wird der Freundeskreis kleiner. Später droht nicht selten der Verlust des Arbeitsplatzes, weil Betroffene häufig gemoppt werden und dem inneren und äußeren Druck nicht mehr standhalten können. Die Kraftreserven sind in diesem Stadium schon häufig aufgezehrt, wie auch die generelle Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt ist. Es wird angenommen, dass betroffene Menschen sehr viel häufiger – ca. dreimal so häufig – arbeitslos sind, so dass zudem noch finanzielle Konsequenzen zu befürchten sind.

Die dramatische Zunahme der Sozialangst

Es wird gegenwärtig davon ausgegangen, dass etwa 10 Prozent der Bevölkerung Erfahrungen mit der Sozialangst haben, wobei unterschiedliche Schweregrade zu berücksichtigen sind.
 
Warum die soziale Phobie in den letzten zwanzig Jahren so stark zugenommen hat, kann von Experten noch nicht hinreichend erklärt werden. Eine Ursache – so Stefano Pallanti – dürfte in den diffuser werdenden Sozialstrukturen liegen, in denen familiäre Bezugssysteme alle 4-5 Jahre wechseln. Zudem dürften frühe belastende Ereignisse sowie ein überbehütender und/oder abwertender und liebloser Erziehungsstil für die Entwicklung einer Sozialphobie eine bedeutende Rolle spielen. Außerdem wurde festgestellt, dass häufig schon die Eltern ein sozial isoliertes Leben führten. Eine genetische Veranlagung – wie sie die Zwillingsforschung zeigte – dürfte bei der Ausprägung der Sozialphobie mit hineinspielen.

Wann wird eine Sozialphobie behandlungsbedürftig:

Für Betroffene ist es ein Kampf gegen die Angst und zugleich ein Ankämpfen gegen den eigenen Körper. Mit jeder Erwartungsangst an eine soziale Situation weitet sich das neuronale Netz der Angst im Angstgedächtnis aus und führt zur Verfestigung der Angstprogramme.
 
Behandelt werden sollte eine Sozialphobie,

  • wenn sich ein Vermeidungsverhalten in Bezug auf Sozialsituationen – wie sprechen, essen, trinken in Gegenwart anderer Menschen – entwickelt hat,
  • wenn Interaktionssituationen mit einer oder mehreren Personen – wie Gruppensituationen, Meetings, Telefonate und Begegnungen wie das erste Date – Angst erzeugen und sich ein Vermeidungsverhalten entwickelt hat,
  • wenn das Vermeidungsverhalten bereits die persönliche und berufliche Lebensführung beeinträchtigt hat und sich Vereinsamung entwickelt,
  • wenn bereits die Vorstellung einer sozialen Situation – wie ein Termin oder eine Einladung – Angst auslöst.
  • wenn die Sozialphobie chronisch wird.

Die Hypnosebehandlung kann ein Ausweg sein

Die Voraussetzung ist, dass Betroffene ihre Problematik wahrnehmen und eine Veränderung wirklich anstreben wollen. Ziel der Behandlung ist es wieder Kontrolle im Leben zu gewinnen. Die Medizinische Hypnosebehandlung kann ein Weg sein, um aus der Angstspirale der Sozialphobie herauszukommen. Dabei ist es von großer Bedeutung, die Ursachen und Hintergründe zu verstehen. Die Ursachen liegen häufig weit zurück, nicht selten in problematischen und unverarbeiteten Erfahrungen. Häufig wird die Lebenssituation in dieser Zeit als schwierig beschrieben. Viele berichten, dass die realen Angstsituationen als demütigend, bloßstellend und bedrohlich wahrgenommen wurden. In der Ärztlichen Hypnosebehandlung können diese „Orte der Angst“ durch die Aktivität Ihres Unbewussten aufgesucht werden, was von Betroffenen als sehr hilfreich und erleichternd empfunden wird. Das Unbewusste mit seinem „stillen Wissen“ kann in der therapeutischen Hypnose diese belastenden Geschehnisse entzerren und „richtig einordnen“. Betroffene verstehen so, dass ihre Handlungsmöglichkeiten bisher sehr eingeschränkt und begrenzt waren, was einerseits schützend war, andererseits die Lebensentwicklung blockierte. Durch die Hypnosebehandlung können die alten Bezugsrahmen verändert werden. Wie Milton Erickson es formulierte, entsteht die Phobie „durch die unangebrachte Verwendung eines alten Bezugsrahmens in einer neuer Situation. ... Die Angst und das Vermeidungsverhalten sind ein deutliches Signal, daß die alten Bezugsrahmen des Patienten verändert werden müssen.“ (Erickson, Milton H./Rossi, Ernest (2004) Hypnotherapie. Stuttgart, Klett-Cotta, 398-399). Der Weg aus der Sozialphobie kann in der Hypnosebehandlung durch die Entwicklung und Bahnung von neuen sozialen „Lern-Erfahrungen“ und Sozialkompetenzen gefördert werden.

Wenn Ihre innere Sicherheit wächst, kann auch die Sicherheit im Außen wachsen

Wenn der Schlüssel für einen neuen Lebensrahmen gefunden wird, können sich neue neuronale Netze bahnen, so dass sich das Selbstbild stärken kann und Selbstsicherheit in sozialen Situationen wachsen kann. Die alten Angstmuster können beginnen, sich zu lösen. Neue Erfahrungen schaffen im Gehirn eine neue Wirklichkeit, und diese Wirklichkeit wirkt im Leben.
 
Gegenwärtig liegen nach meinem Kenntnisstand noch kaum Erfahrungen über die Behandlung der sozialen Angst mit Medizinischer Hypnose vor. Nach äußerst zurückhaltender Einschätzung in den von mir dokumentierten Fällen ist die Prognose als ermutigend zu betrachten.
 
Es ist für mich selbstverständlich, dass ich mit Ihnen eine persönliche maßgeschneiderte Selbsthypnose erarbeite, die Sie in den Alltag einbauen können. Mit dem Praktizieren von Selbsthypnose erleben Menschen mit der Zeit, wie ihr Selbstwertgefühl gestärkt wird und sie in Sozialsituationen das Gefühl des „Dazugehörens“ erleben. So können Sie mit der Zeit Ihr eigener Therapeut werden.