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Phobie

 

Gänsehaut, Panik pur, ich hab schon immer diese panische Angst gehabt, kalte Schauer, Angstschweiß, ich bin dann wie angewurzelt, wie gelähmt. Die Angst kommt schon, nur wenn ich dran denke. Und niemand versteht mich – und ich verstehe es selbst nicht. Diese Worte fallen immer, wenn Menschen über phobische Reaktionen berichten.
 
Phobien (griech.: Furcht) sind massive, unkontrollierbare und unangemessene Angstreaktionen vor bestimmten Objekten und Situationen. Wird ein Mensch mit den entsprechenden auslösenden Reizen konfrontiert, kommt es zu einer unmittelbaren Angstreaktion, die sich als Panikattacke äußern kann. Schon die Vorstellung solcher Situationen und Objekte genügt, um eine phobische Reaktion auszulösen.

Betroffene wissen, dass ihr phobisches Reagieren unangemessen und unbegründet ist. Die Phobie ist für sie weder erklärbar, noch beeinflussbar. Rationales Denken und Handeln kann Menschen nicht vor einer phobischen Reaktion schützen. Die Ängste führen zu deutlichen Einschränkungen, so dass das berufliche und private Leben deutlich beeinträchtigt wird.
 
 
Formen der phobischen Störungen
Zu den komplexen Phobien gehören die soziale Phobie und die Agoraphobie.
  • Soziale Phobie: Furcht vor sozialen Sozialsituationen, wo das Verhalten der Beobachtung und Bewertung durch andere unterliegt (ca. 10 %).
  • Agoraphobie mit oder ohne Panikstörung: Angst vor weiten Plätzen, Situationsängste, wie Furcht vor großen Menschenansammlungen, öffentlichen Plätzen, Reisen (ca. 3,5 %).
Zu den spezifischen Phobien gehören phobische Reaktionen, die vorrangig auf einen Panikauslöser gerichtet sind, doch gibt es auch hier Übergänge, wie bei der Flugangst, wo Menschen noch häufig unter Höhenangst und Klaustrophobie leiden.
Hier nun eine kurze Aufzählung:
  • Arachnophobie, Angst vor Spinnen
  • Klaustrophobie, Angst vor engen Räumen
  • Emetophobie, Angst zu erbrechen
  • Aerophobie, Flugangst
  • Erythrophobie, Angst zu erröten
  • Akrophobie, Höhenangst
  • Dentalphobie, Zahnarztangst
  • Hämatophobie, Angst vor Blut
  • Trypanophobie, Angst vor Spritzen
  • Paruresis, Angst vor Urinieren auf öffentlichen Toiletten, ca. 6%
  • Canophobie, Angst vor Hunde
  • Herpetophobie, Angst vor Schlangen
  • Angst vor Gewitter, Stürme, Wasser, Naturgewalten
Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen. Genauso vielgestaltig ist die Symptomatik. Die phobische Reaktion äußert sich auf der psychischen Ebene, der Verhaltensebene und in körperlichen Reaktionen.

Auf der psychischen Ebene hat sich die unbegründete Furcht so manifestiert, dass jede Konfrontation mit dem furchtauslösenden Objekt – wie einer Spinne – oder einer angsteinflößenden Situation – wie z.B. Menschenschlangen – in Sekundenbruchteilen Angst und Panik auslöst.
 
Auf der Verhaltensebene wird eine Fluchtreaktion ausgelöst, so dass die Angst abebben kann. Diese Erleichterung bahnt jedoch Vermeidungsverhalten und die Erwartungsangst, die Angst vor der Angst. Die Folge ist, dass nun auch ähnliche Auslösesituationen gemieden werden – und der Aktionsradius eines Menschen sich einschränkt.
 
Auf der körperlichen Ebene löst eine Phobie eine Kaskade von Stress- und Alarmreaktionen aus, die von Betroffenen am gravierendsten wahrgenommen werden. Die Symptome sind u.a.: Zittrigkeit, Herzklopfen, Beklemmungsgefühle, Schweißausbrüche, Atemnot bis zur Hyperventilation, Schwäche in den Beinen bis hin zur Übelkeit und Erbrechen. Häufig sind die Symptome von einer besonderen Form des Schwindels begleitet und Menschen befürchten den Halt zu verlieren.

Wie entsteht die Phobie?

In jedem Fall spielen bei der Entwicklung einer Phobie neurobiologische Aspekte eine entscheidende Rolle, ob als Ursache oder Folge.
Es wird davon ausgegangen, dass einige Hirnregionen, wie das Limbische System mit den Angstzentren, den Mandelkernen (die Amygdalae) stressanfälliger sind. Diese Hirnregion ist mit vielen anderen Hirnteilen vernetzt und reguliert unsere emotionale Belastbarkeit. Die Neuroforschung konnte belegen, dass die Rezeptoren in diesen Gehirnregionen weniger sensibel auf einige Botenstoffe der Nervenzellen – GABA und Serotonin – reagieren. Gerade diese Neurotransmitter haben eine modulierende, beruhigende Wirkung und angstlösende Wirkung. In diesen Wirkungskreisen dürfte ein Schlüssel für die phobische Reaktionsbereitschaft und Ängstlichkeit liegen.
 
Gerade bei den komplexen Phobien berichten die meisten Betroffenen, dass sie vor Ausbruch dieser Angstkrankheit unter psychosozialen Belastungen gelitten haben. Zu nennen sind hier traumatisierende Erlebnisse, wie Trennungsereignisse und kritische Lebenssituationen mit Erleben von Schutzlosigkeit, Ungewissheit und erlittener Hilflosigkeit. Lange stressbeladene Lebensphasen und körperliche Krankheiten mit langen Erschöpfungsphasen können ebenfalls auf neuronaler Ebene erhöhte Ängstlichkeit mit phobischen Reaktionsmustern bahnen.
 
Vor diesem Hintergrund kann aus einem neutralen, erstmalig sensibilisierenden Ereignis („Initial Sensitizing Event, ISE“) eine phobische Reaktion resultieren. Die erste Begegnung mit dem phobischen Objekt oder der phobischen Situation muss noch gar nicht traumatisierend gewesen sein, nur war ein Betroffener zu jener Zeit nicht in der Lage dieses Ereignis adäquat emotional zu verarbeiten. Zu einer anderen Zeit oder unter anderen Umständen wäre das Erleben dieser ersten sensibilisierenden Situation möglicherweise unproblematisch gewesen. Durch das unverarbeitete sensibilisierende Ereignis konnte sich die emotionale Disposition entwickeln, so dass die Psyche durch weitere angst-aktivierende Ereignisse beeinträchtigt und verletzbarer wurde. Diese sekundär wirkenden Ereignisse werden als (Secondary Sensitizing Event, SSE“) bezeichnet. Durch die sekundären sensibilisierenden Ereignisse erlebt ein betroffener Mensch die gleichen belastenden Gefühle in einer neuen Situation. Häufen sich die „Angst-Erfahrungen“ kann dieser Prozess zur Verfestigung im Angstgedächtnis führen. Warum sich bereits nach einer oder wenigen phobischen Reaktionen eine Phobie förmlich konsolidieren kann, ist noch nicht hinreichend geklärt.
Eine Phobie kann auch erlernt werden (Modell-Lernen). Erlebt ein Kind zum Beispiel, dass ein Elternteil Angst vor Spinnen hat und beim Anblick einer Spinne immer in Panik geriet, kann das Konsequenzen für die kindliche Entwicklung haben. So kann das Kind diese Verhaltensweise übernehmen und reproduzieren. Oder es werden Gedächtnisspuren gelegt, die später zu phobischen Reaktionen führen können.

Folgen dieser Angstkrankheit

Gravierendes Angst- und Furchterleben führt zu chronischer Erschöpfung. Die Vermeidung angstauslösender Objekte oder Situationen wird auch von betroffenen Menschen als Scheinlösung wahrgenommen. Jedoch ist die Angst vor phobischen Auslösern so gravierend, dass es für Betroffene oft ausweglos erscheint, aus diesem erschöpfenden Teufelskreis von Furcht, Angst und erwarteter Angst herauszukommen. Kognitiv wissen Betroffene, dass die Angst unbegründet ist. In einer betreffenden Situation – wie zum Beispiel bei einer Angst vor Hunden – läuft unbewusst eine dramatische Bildszenerie ab, so dass Betroffene selbst beim kleinsten Hund einen großräumigen Sicherheitsabstand „wahren müssen“.
 
Wird nun die Erfahrung gemacht, dass durch Vermeidung die Angst verschwindet oder gelindert wird, werden zunehmend auch ähnliche Orte und/oder Situationen gemieden. Die phobische Reaktionsbereitschaft wird dadurch zunehmend ausgedehnt.
 
Die Chronifizierung der Phobie manifestiert sich auf mehreren Ebenen.
• Auf der psychischen Ebene:
Situationen werden ständig überprüft. Erwartungsängste nehmen zu, Betroffene denken „was wäre wenn …?“ und weiter „was kann ich tun…, damit nichts passiert und ich sicher bin.“ Ständige Angst oder Erwartungsangst beeinträchtigen Gedächtnisleistungen sowie die Kognition und fördern eine depressiv getönte Stimmungslage.
  • Auf der körperlichen Ebene:
    Angst führt immer zur Muskelanspannung, die Herz- und Atemfrequenz verändert sich. Durch ständige Angst werden regenerative Prozesse negativ beeinflusst und das Immunsystem geschwächt.
  • Auf der Verhaltensebene:
    Menschen mit Phobien leben und verhalten sich entsprechend ihrer Befürchtungen. Die Angst dominiert das Leben und das Leben wird um die Angst herum organisiert. Der Lebensradius und die Handlungspielräume werden zunehmend enger. Eigene Möglichkeiten werden nicht mehr oder nur mit großer Anstrengung wahrgenommen. Nicht selten flüchten Menschen in eine „Selbstmedikation“ wie Alkohol und/oder beruhigende Substanzen, um Befürchtungen und „bedrohliche Situationen“ zu überstehen.

Die Hypnotherapie kann helfen

In meiner Praxis für Medizinische Hypnose werden Phobien häufig behandelt. Bei den spezifischen Phobien, wie z.B. Spinnenangst oder Zahnarztangst, werden oft nur sehr wenige Sitzungen zur Lösung benötigt, so dass Klienten/IN schon nach kurzer Zeit neue Erfahrungsräume erleben. Es ist eine sanfte Behandlungsform; innere Alarmsysteme werden abgeschaltet und ein Mensch kann aus den furchterregenden Lebens-Begrenzungen herauswachsen. In der Ärztlichen Hypnose können durch die Aktivierung unbewusster Prozesse „Orte der Angst“ aufgesucht werden, was von Betroffenen als sehr hilfreich und erleichternd empfunden wird. Das Unbewusste mit dem „stillen Wissen“ kann in der Hypnotherapie belastende Lebenserfahrungen entzerren und „richtig einordnen“. Betroffene verstehen so, dass ihre Handlungsmöglichkeiten bisher sehr eingeschränkt und begrenzt waren, was einerseits schützend war, andererseits den Handlungsspielraum und den Lebensradius einschränkte. Durch die Hypnosebehandlung können die alten Bezugsrahmen verändert werden. Wie Milton Erickson es formulierte, entsteht die Phobie „durch die unangebrachte Verwendung eines alten Bezugsrahmens in einer neuer Situation. ... Die Angst und das Vermeidungsverhalten sind ein deutliches Signal, daß die alten Bezugsrahmen des Patienten verändert werden müssen.“ (Erickson, Milton H./Rossi, Ernest (2004) Hypnotherapie. Stuttgart, Klett-Cotta, 398-399).
Wenn Menschen in der Hypnotherapie durch ihre Ängste hindurchgehen, können sie in Kontakt mit der zugedeckten Lebensenergie kommen, der stärksten Ressource. Der Weg aus der Phobie kann in der Hypnosebehandlung durch die Entwicklung und Bahnung von neuen „Lern-Erfahrungen“ und Handlungskompetenzen gefördert werden.
 
 
Wenn Ihre innere Sicherheit wächst, kann auch die Sicherheit im Außen wachsen.

 
Die alten Angstmuster können beginnen, sich zu lösen. Neue Erfahrungen schaffen im Gehirn eine neue Wirklichkeit, und diese Wirklichkeit wirkt im Leben.
 
Es ist für mich selbstverständlich, dass ich mit Ihnen eine persönliche maßgeschneiderte Selbsthypnose erarbeite, die Sie in den Alltag einbauen können. Mit dem Praktizieren von Selbsthypnose erleben Menschen mit der Zeit, wie ihr ICH gestärkt wird und wie Sie mit der Zeit die zugedeckte Lebensenergie aufbrechen – und mit Ihrer größten Kraftquelle – in Kontakt kommen.