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Immunerkrankungen

Leben ist ein Prozess von Abgrenzung und Austausch. In diesem Prozess spielt das Immunsystem eine zentrale und eine außerordentlich wichtige Rolle.
 
Die Haut grenzt uns von unserer Umwelt ab und gleichzeitig tauschen wir uns ständig mit unserer Umwelt aus. Aber auch nach innen bis in die kleinsten Zellstrukturen finden diese Austausch- und Abgrenzungsprozesse statt. Im Rahmen dieser komplexen Prozesse schützt uns unser Immunsystem nach innen und nach außen. Ist dieses fließende, sich ständig verändernde Zusammenspiel der Immunregulation in Balance sind wir in Balance; wir sind geschützt; gleichsam immun, gesund.
 
Unser Immunsystem übernimmt damit vielfältige Aufgaben: Infektabwehr, Erkennen von Erregern und Fremdkörpern, Produktion von Antikörpern, Ausbildung eines immunologischen Gedächtnisses, Erkennung und Zerstörung von veränderten körpereigenen Zellen und Beteiligung an der Gewebsregeneration.

Viele Menschen leiden unter Störungen des Immunsystems. Dabei können vier große Gruppen unterschieden werden. Zu den zwei Gruppen mit überschießender immunologischer Aktivität gehören die Allergien (wie z.B. Pollenallergie oder Lebensmittelallergien) und die Autoimmunerkrankungen, (wie z.B. verschiedene rheumatische Erkrankungen, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, die Schilddrüsenerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis u.a.). Zu den zwei Gruppen, bei denen die Immunaktivität zu gering ist gehören Infektionskrankheiten und bösartige Krankheiten.
 
Zudem sind immunologische Störungen zugleich ursächlich an einer Vielzahl von somatischen – und auch psychischen – Krankheiten beteiligt. So können Depressionen und Verlustereignisse das Immunsystem erheblich beeinträchtigen.
 
Die Ursachen der meisten Immunerkrankungen sind trotz weltweiter Forschungsaktivitäten und umfangreicher Forschungsresultate insgesamt noch weitgehend ungeklärt.
 
Forschungen konnten dennoch eindeutig belegen, dass das Immunsystem – wie schon weitgehend angenommen wurde – kein autonom agierendes Organsystem ist, sondern in engstem funktionalem Zusammenhang mit dem Nervensystem steht. Diese junge Wissenschaft, die sich mit der wechselseitigen Kommunikation und der wechselseitigen Beeinflussung zwischen neuronalen und immunologischen Systemen befasst ist die Psychoneuroimmunologie (PNI).

Gehirn und Immunsystem kommunizieren miteinander

Gehirn und Immunsystem kommunizieren in beide Richtungen miteinander und sind wechselseitig miteinander vernetzt. Das Immunsystem besitzt Rezeptoren für die Botenstoffe des Gehirns und das zentrale Nervensystem empfängt immunologische Informationen und Signale über die Zytokine (Botenstoffe des Immunsystems).
 
Nervensystem, Immunsystem und Psyche sind ein eng verwobenes, fein balanciertes Netzwerk, in dem alle Teile im ständigen Austausch miteinander stehen und sich gegenseitig beeinflussen.
 
Das Wirken dieser „neuroimmunologischen Sinfonie“ wird durch Anregung und Dämpfung abgestimmt und moduliert. Chronische körperliche und seelische Belastungen, wie sie aus beruflichen, schulischen oder privaten Dauerstress resultieren können, werden u.a. für Störungen in der neuroimmunologischen Kommunikation und Regulation verantwortlich gemacht. Diese Situation reflektiert auch den dramatischen Anstieg von stressassoziierten Erkrankungen, wie das chronische Erschöpfungssyndrom, Burn-out sowie chronische Schmerzsyndrome, wie z.B. das Fibromyalgie-Syndrom. Bestehen Vorerkrankungen – wie Allergien oder Autoimmunerkrankungen – können diese besonders durch Dauerstress so verstärkt werden, dass das Immunsystem und die gesamte körperliche und psychische Verfassung noch weiter geschwächt und herabgestimmt werden. Wie ein Klient berichtete: „Während meine Psyche immer mehr verstummte, litt mein Körper immer mehr.“
 
Auf diesem Hintergrund ist es auch zu erklären, dass immer mehr Menschen unter Erkrankungen leiden, die unter dem Aspekt der neurogenen Entzündung in der Gruppe der Chronischen Multisystem-Erkrankungen (Chronic Multiple Illness, CMI) zusammengefasst werden.
 
Bei vielen Menschen haben sich Störungen in der neuroimmunologischen Regulation so verselbstständigt, dass sie einen hohen Leidensdruck aufweisen, depressiv verstimmt sind und die Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist. Viele haben trotz stationärer Behandlung und langjähriger Therapien kaum Besserung erfahren. Die Zukunftsperspektiven sind bei vielen geschrumpft; nicht wenige haben die Hoffnung auf Besserung aufgegeben.
 
Betroffene Menschen berichten häufig, dass die ausschließliche somatische Betrachtung und Behandlung ihrer Störungen oft eine anfängliche Hilfe war, aber mit der Zeit sich die Probleme wieder verstärkten oder noch andere Symptome hinzukamen. Auf psychotherapeutischer Ebene lernten viele viel über sich. Trotzdem bleibt für viele die Krankheitssymptomatik weiter quälend und deprimiert die gesamte Lebenssituation.

Kommunikation mit dem Unbewussten – und das stille Wissen

Trotz des umfangreichen Wissens um diese unklaren Krankheitsbilder, besitzen die meisten Betroffenen ein inneres Bild von dem wie es sein müsste und wie es wieder werden könnte. So unklar und verborgen diese Bilder in der momentanen Situation auch erscheinen mögen, so können sie ein Weg sein, die Symptomsprache zu enthüllen und sie im Lebenszusammenhang zu entschlüsseln. Handlungsimpulse können resultieren und neue Wege können gesucht werden.
 
Fasziniert und gleichzeitig mit großem Selbstverständnis erleben nicht wenige betroffene Menschen den Zugang zu ihrem Unbewussten. Sie erleben wie aus den quälenden Symptom- und Krankheitsbildern zunehmend erhellende „Gesundheitsbilder“ auftauchen können. Diese Bilder und die Kommunikation mit dem Unbewussten können Wegweiser zu Lösungsmöglichkeiten sein, um so aus der Tiefe heraus einen Gesundungsprozess einleiten zu können.
 
Mit der Medizinischen Hypnosebehandlung kann das Unbewusste Heilbilder entwickeln, die im Körper ihre Wirkung entfalten. Betroffene Menschen können wieder Kontrolle über ihren Körper erlangen und fühlen sich nicht mehr immunologischen Fehlreaktionen hilflos ausgeliefert. Das Wahrnehmen einer sich verbessernden Lebensqualität kann wiederum Heilungsprozesse und die Zuversicht fördern.
 
Manche Menschen haben sich bereits vor der Behandlung mit Medizinischer Hypnotherapie mit Psychoneuroimmunologie befasst. Für sie ist es besonders interessant und ermutigend die Ergebnisse an sich selbst bestätigt zu wissen.
 
Trotzdem ist zu betonen, dass viele Immunerkrankungen schwere Erkrankungen sind und von allen Beteiligten ein hohes Maß an verantwortungsvollem Engagement erfordern; vor allem dürfen keine unangemessenen Heilserwartungen genährt werden. Zudem erhalten betroffene Menschen oft Medikamente, die zumeist mit erheblichen unerwünschten Wirkungen einhergehen. Trotzdem – so die Erfahrung – kann die Medizinische Hypnosebehandlung unterstützend wirken, denn in jeder Zeit des Lebens – und auch in den schwersten Zeiten – können Menschen Wünsche und Sehnsüchte äußern. Und auch wenn sie leise und fast unhörbar geäußert werden, können diese Wünsche sich in eine Ressource umwandeln.

Das Immunsystem ist lernfähig

Es ist für mich selbstverständlich, dass Menschen mit immunologischen Erkrankungen sehr sorgfältig eine „maßgeschneiderte“ Selbsthypnose erlernen. Die Selbsthypnose kann zu jeder Zeit und an jedem Ort angewendet werden. Für Menschen mit Störungen des Immunsystems ist es sehr hilfreich immunregulierende Heilbilder in der Selbsthypnose aufzunehmen. Das Immunsystem ist lernfähig und kann Botschaften des Gehirns empfangen. Durch Ihre aktive Mitarbeit kann das Immunsystem lernen. Ein Immunsystem, das gelernt hat, wieder balanciert zu reagieren, kann Ihr Wohlbefinden fördern und stabilisieren.
 
Auch wenn diese Besserungen wissenschaftlich noch nicht ausreichend erforscht sind, gehören sie doch zu den eindruckvollsten Phänomenen, wie das Nervensystem das Immunsystem beeinflussen kann.